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Das Schöne und das Wilde Ich ließ mich entführen von den „Wilden Fräulein“ aus längst vergangenen Tagen, diesen mystischen Gestalten des Hintersteiner Tals, deren Heimat der Wildfräuleinstein war, eine gar eigenartige Grotte in den Berghängen. Die Fräulein erzählten mir ihre Geschichten von dem Leben in dieser rauen Bergwelt, wie sie sich dem Weben und Spinnen annahmen, aber auch dem Bergwild, das ihnen besonders am Herzen lag. Sie pflegten Jungtiere, die ihre Mutter verloren hatten, und halfen den Muttertieren wie Hebammen. Gemsen, die sich sonst nie dem Menschen näherten, geschweige denn sich anfassen ließen, sollen den Fräulein gehorcht haben wie zahme Haustiere. Diese respektvolle Koexistenz zwischen Mensch und Natur, von denen die alten Sagen erzählen, sie war in Bad Hindelang und seinen Ortsteilen noch immer zu spüren. Hier in den Dörfern, die umgeben waren von den vielen ehrwürdigen und wilden Bergpersönlichkeiten, war die Welt noch wie sie sein sollte. Heil, unberührt, geschätzt, schön und wild zugleich – ein Bilderbuch. Ich hatte sie gesehen auf meinem Weg hierher, die seltenen Pflanzen, die ich kaum bestimmen konnte, weil sie mir noch nie begegnet waren. Auf deren Spuren ich mich nun noch genauer begeben wollte. Sie waren das Ergebnis der respektvollen Lebensgemeinschaft, die einst die hiesigen Bergbauern mit dieser Welt eingingen, als sie sich ganz der schonenden und ökologischen Landwirtschaft verschrieben hatten. Sie trotzten den schwierigen Bedingungen der Steillagen und den Ansprüchen des europaweiten Marktes und schufen damit das, was Reisenden wie mir das Herz aufgehen ließ. Und so hielt ich mich einige Zeit auf in den Dörfern dieses alpinen Paradieses, ließ die reine Höhenluft durch meine Lungen fließen und Körper und Geist zur Ruhe kommen. Die Erhabenheit der Schöpfung, sie war zum Greifen nahe. Und als ich schließlich wieder aufbrach, dem Gipfelerlebnis entgegen, nahm ich den friedvollen Respekt, den ich erlernt hatte, mit mir.

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